USM – Ultra Skyrace Madeira 55k 2017 

„Nach dem Lauf ist vor dem Lauf“, oder so ähnlich jedenfalls geht es einem doch, wenn der letzte Lauf gerade vorbei ist, man vielleicht zwischendurch die Sinnfrage gestellt hat und – kaum im Ziel – schon wieder am planen ist, was als nächstes drankommt. Ultra diesmal also, endlich. Hm mal sehen wann wieder frei ist… Abgleich Kalender mit Rennkalender: Pfingsten. Finger auf die Weltkarte (Achtung Übertreibung) und da Zack: Madeira. USM. Skymarathon 55km mit 4000 Höhenmetern also, ok. Ziel: Finishen, egal wie.

Als Rheinhesse kennt man zumindest den Taunus oder Hunsrück (Grüße!) – ich sollte noch eine Ahnung bekommen was vulkanische Inseln alles zu bieten haben, später mehr dazu.

Klingt etwas „unromantisch“, aber in Phasen läßt sich so ein Lauf inklusive Vor- und Nachbereitung (sofern es sowas gibt) ganz gut unterteilen denke ich.

[Es folgt viel Text: Für den eigentlichen Rennbericht bitte direkt zu „heißen“ Phase 3: Der Lauf scrollen, gerne aber auch den Rest lesen… 😉 ! ]

Phase 0: Euphorie

„Ooh, was habe ich getan ?!“ Riesige Vorfreude, Anmeldung ist offen – Bezahlt, eingeschrieben, Quali nachgewiesen bzw. Stand die noch kurz bevor beim Grand defi des Vosges in Niederbronn (FR), Flug: Check, Hotel: Check, Materialliste: Check, Transfer: Check. Reiseführer, Wanderführer besorgen.

Trainingsplan umschreiben, denn es sollte mit 3-4 Einheiten pro Woche machbar sein, wobei 1-2 Wettkämpfe dabei waren, ein bisschen Radfahren und ein bisschen Crossfit zur Abwechslung. Es sind ja noch 2-3 Monate. Es hat sonst oft so einen verbissenen Charakter, finde ich persönlich. Ehrlich gesagt, fiel auch mal die ein oder andere Einheit aus, sei es wetter- oder auch terminbedingt. Manch einer kauft neue Schuhe oder sonstiges Material zur zusätzlichen Motivation, so auch ich. Gescheite Stöcke zum Beispiel. Leicht und handlich sollten sie sein.

Ausrüstungscheck



Phase 1: Verdrängung

Langer Lauf, kurzer Lauf, Wettkampf, Wanderungen. So viel schöne Natur zu Hause. Dann der erste Trailmarathon in der Ferne, zwei, drei Läufe quasi vor der Haustür. Kann man gar nicht alle abklappern diese Traumschleifen da. Die Hausrunde bleibt trotz Routine schön, schließlich ist mittlerweile der Sommer eingekehrt und zwar ziemlich plötzlich. Mal morgens, mal abends laufen, und auch mal gegen den Uhrzeigersinn sorgt für Laune. Ein paar Strava Segmente gilt es dabei auch stets im Auge zu behalten. Wettkampfgedanke, Revier markieren, männlich und so haha. – Ok, ich schweife ab. Sitze schon im Flieger nach Madeira.


Phase 2: Nervosität

Gemütlich geht es mit TAP von Frankfurt über Lissabon nach Funchal, ganz entspannt. Der erste Flug ist sogar unterbesetzt, so dass es für mehr Sitzfreiheit reicht. Nach der Rückflugerfahrung empfehle ich den Direktflug (später mehr). Mehr ? Nein, Meer soweit das Auge reicht, dann ist da auch schon Festland zu sehen: Madeira. Portugiesisches Eiland, Heimat von Christiano Ronaldo, den Levadas, Ziel von Botanikfreunden & Wanderern weltweit. Viele Deutsche sind hier unterwegs. Der Flughafen ist sensationell nah am Wasser, man sieht Anfang und Ende der Landebahn. Die nicht nur angeblich häßliche Ronaldo Büste suche ich vergeblich, nächstes Mal dann halt. Aerobus bringt einen in die Stadt. Es ist sehr hügelig zu Beginn und selbst die Autobahn, die Via Rapida hat teilweise mehr als 10 % Gefälle, steile Kurven und einige Tunnel.

Hafen von Funchal
Funchal

Das Hotel ist gefunden. Mittlerweile ist es Abend, schnell noch was essen. Vorher steht noch eine halbe Stunde laufen auf dem Plan. Schön am Hafen entlang, so wie die meisten Einheimischen es auch tun. Eidechsen, Katzen, Kreuzfahrtschiffe, es gibt hier einiges zu sehen, auch den kleinsten Staat der Welt laut Guiness Buch (steht so zumindest am Eingang, bitte googlen – hat mich nicht weiter interessiert). Morgen wird die Stadt erkundet. Die Schwierigkeit dabei: Es soll so wenig wie möglich gelaufen werden, um die Beine zu schonen. Den Mietwagen habe ich mir bei dem relativ kurzen Aufenthalt dann doch gespart.

Also per pedes und via Bus: Es geht mit der Seilbahn in den Stadtteil Monte, dort gibt es die berühmten Holzschlitten-Abfahrten auf zwei Kilometer Länge und mehrere botanische Gärten der Stadt. Mich zieht es auf den Hausberg der Stadt, weiter geht die ungeplante „Wanderung“ auf den ca. 800m hohen Berg (Name ist mir bis jetzt noch nicht bekannt). Die eigentliche Rundtour aus dem Wanderführer war nicht möglich, da die Strecke gesperrt war. Erdrutsche und Waldbrände kommen hier sehr oft vor, was das passieren der Wege unmöglich machen kann.

Funchals Hausberg
Nebel und vom Waldbrand geplagte Vegetation
Blumeninsel Madeira / Stadtteil Monte
Singletrail
Holzschlitten in Monte

Das Klima hier ist angenehm „tückisch“: es hat stets um die angenehme 20 Grad, wobei entscheidend ist, ob die Sonne scheint oder einen grad feuchter Nebel umweht, dann heißt es „an – aus – an – aus etc.“ mit den Klamotten. An diesem Tag bin ich allein, ein paar freilaufende Hunde begleiten mich ein paar Meter. Mehr als mir lieb sind, denn nach einem Fast-Biss auf portugiesischem Festland bei Faro bin ich skeptisch was unsere lieben Vierbeiner angeht, aber jeder hat eine zweite Chance verdient. Dennoch: Pfefferspray steht auf der Einkaufsliste, sorry dogs!

Über die Passstraße (nach Santana, für kommenden Tag geplant) geht es durch den Nebel immer weiter den markierten Wanderweg entlang. Neben mir plätschern schon dauernd die für Madeira berühmten Levadas (Leitungen aus Stein/Beton welche den eher trockenen Süden mit Wasser aus dem Hochland/Norden versorgen). Faszinierend, was die da auf die Beine gestellt haben. Nach einer Stunde Aufstieg geht es wieder hinab, durch Lorbeerwälder, hohe Farne, die sehr bunte Pflanzenwelt.

Am Folgetag werden die Laufunterlagen abgeholt, einziges Manko: es geht leider nicht am Lauftag selber, da der Start schon um 6:00 Uhr sein sollte. Aber so bekommt man schonmal einen Geschmack auf die Topographie im Norden und auf die Gebirge der Insel. Der Bus kurvt, stets den Gegenverkehr hupend warnend, etwa eindreiviertel Stunden nach Norden, vorbei am Ribeiro Frio mit seinen Forellenfarmen, wilden Ziegen in dunklen Wäldern. Hier leert sich der Bus, ein beliebter Ausgangsort für Wanderungen.

Ginster mit charakteristischem Eigengeruch
Santana Ziege mit charakteristischem Eigengeruch
Santana Häuser
City Hall/Race office in Santana


Stöcke ? – Nachdem ich mir die Option Stöcke mitzunehmen offen hielt, war es jetzt sicher keine Frage mehr. Es ging gut hoch seitlich der Passtraßen. Den Ribo Aiero mit seiner Radarstation konnte man schonmal sehen. Dann ist der berühmte Adlerfelsen von Sao Jose in Sicht, dahinter schon Santana (400 m ÜNN), Startort des USM. Es gibt ein Teilnehmershirt, ein Cap, Drop-Bag für Wechselkleidung nach der Marathondistanz und die letzten Infos. Wieder im Hotel: packen, letzte Einheit für 15 Minuten laufen. Essen. Ins Bett.

Der Transfer vom Hotel/Uferstraße in Funchal startet um 4:05 Uhr in der früh. 3:20 aufstehen. (Mich erreichte relativ spät noch eine email vom Veranstalter, wo ich den einsteigen wolle; mit dieser Nachricht und der Info für den Transfer haben sie sich ziemlich Zeit gelassen). So früh: Das war mal eine Ansage, auch für Nachteulen wie mich. Es warten noch 5-6 andere Läufer: Spanien, England und Portugal sind vertreten. Auf der anderen Straßenseite trotten ein paar Betrunkene gestalten Richtung Heimat oder nächster Einkehr. Ein paar Taxen, Muscle Cars und freilaufende Hunde sind am der Meerpromenade unterwegs. „Boa dia“, „good morning“, „bonjour“ grüßt der Busfahrer.

…viel zu früh

Der Bus ist eng, Schlaf ist nicht möglich, der Fahrer hört Radio und rast nur wie blöd über die Autobahn, braucht somit nur halb so lang wie der Bus, der die Bergpässe gen Norden quasi per Luftline nahm. Viele Straßenschilder stehen gar nicht quer, weil in engen Straßen bestimmt schon hunderte Busse mit ihren Spiegeln die Schilder um 90 Grad gedreht hätten. Sieht ziemlich spannend aus.

Ein, zwei Schokocroissants & Bananen mussten noch rein…warten im Raceoffice. Noch eine Stunde bis zum Start. Die „prominente“ Anna Frost mit Filmteam, Skandinavier, Engländer, auch ein Deutscher (Markus Müller, der Name und die Flagge auf der Racebib verriet es, Grüße nach Bad Marienberg an dieser Stelle) fanden sich im Race Office ein, ebenso ein paar Helfer, die sich auch gerade erst aus dem Bett gepellt hatten.


Phase 3: Der Lauf

Was kommen sollte:

Höhenprofil
Streckenverlauf (im Uhrzeigersinn)

Streckenverlauf: via http://www.madeiraskyrunning.com/wp-content/uploads/2017/02/17-Trail-USM-KML.kml / via googleearth

Zur Startaufstellung geht es in leichtem Nieselregen um 5:50, es ist angehnehm warm. Nachts kühlt es hier um diese Jahreszeit i.d.R. Nur auf 17 Grad ab. – Haben wir jetzt den einen statistischen Regentag im Juni erwischt.. ?! ( Es ist oft so, dass sich im Norden die Wolken abregnen, während es im Süden heiß & trocken ist) Vor dem Eingang in den Zielbereich werden stichpunktartig die Ausrüstungen kontrolliert. Countdown. Los.

Laufen im Dunkel hat schon was. Wir verlassen den Asphalt, es geht hinaus und hinauf Richtung Pico Ruivo, noch sind es ca. 14 km und 1400 Höhenmeter bis dahin. Ich denke es dauerte zwei bis zweieinhalb Stunden dort hinauf. Stock sei Dank, mit euch geht es und es fanden sich Rhythmus und Tempo. Dann wurde es schnell enger und es ging über in den Boden geschlagene Stufen auf Lehm den Berg hoch, es wurde irgendwann felsiger. Sehr gut, denn mit Moos bedeckter Lehmboden ist seehr glatt, da helfen auch keine Superstollen bzw. Contagrip, um es mal beim Namen zu nennen.

Hier braucht es schon ab und zu die Hände um die großen Stufen zu nehmen. Überholen ist nicht möglich. Wahnsinn, welch´ ein Tempo. Über 1,80 m große Personen müssen sich hier, so wie auch im ganzen Rennen öfter bücken, denn die Sträucher wachsen tunnelartig um/an den Wanderwegen entlang. Dann verwechsle ich im Dunkeln eine Schlammpfütze mit nassem Stein und habe einen nassen Fuß inkl. Schlammpackung. Im Nachhinein zum totlachen, ich dachte noch so: Was macht der Vordermann bzw. Die Vorderfrau so einen großen Schritt …?!

Irgendwann wird es heller, bei freien Blicken zurück sieht man über den Hintermann oder – frau und die Schultern die aufgehende Sonne über der Wolkendecke. Man spürt sie, es wird direkt wärmer. Herrlich. Die Stirnlampe kann man nach ca. Einer Stunde wegpacken. Später brauchte man diese noch für einen relativ kurzen, aber sehr dunklen Tunnel. Wir hören die ersten Fans auf der halben Strecke nach oben zu Gipfel. Bis man sie sieht, sollte es noch etwas dauern. Vom Gefühl her war es wird der lange Anstieg beim ZUT, wenn es zum Osterfelder hinauf geht (man hört Glocken und Klatschen, aber sehen tut man diese erst viel viel später).

Über den Wolken. Auf dem Weg zum Pico Ruivo.


Im ausgesetzten Gelände ist durch den fehlenden Schutz der Pflanzen und durch den Wind und die Temperatur in der Höhe der Effekt der wärmenden Sonne gleich wieder dahin. Also Armlinge (beste Entscheidung die zu nehmen) wieder hochkrempeln.

Der erste VP hat ISO, Wasser, Chips, Bananen, Obst, Sandwiches, Pommes, Nüsse (später gab es noch Kürbissuppe und auch Kuchen, sowie Käse, Salz und Riegel). Die Speicher sind noch voll, aber ISO nachfüllen ging immer, so auch hier. Jetzt wird es abermals rutschig. Feiner Lavasand macht es nur auf allen Vieren möglich nach oben zu kommen. Die Ideallinie ist eine Wäscheleine, welche mit Nägeln im Boden verankert ist, keine Ahnung – aber es hielt im Sand. Bei den ersten ausgesetzten Kletterpassagen brauchte man definitiv beide Hände frei. Die Bergwacht mit Seilen, Funkgerät und Bergungsuntensilien stand schon bereit.

– Solche technischen Passagen (technical), enge (narrow) oder auch Straßenkreuzungen (road crossing) waren gut beschildert, zumal es im Hang gut bergab ging, wenn auch erstmal ein paar Sträucher den Fall gebremst hätten. Wanderer wurden mit „Race in Progress“ Schildern schon mal vorgewarnt. Ab und zu sitzt dann noch ein Fotograf im Hang, der entweder wegen dem Rennen da ist oder noch den Rest vom Sonnenaufgang festhält. Nun gut, es kommen jetzt halt erstmal 180 Läufer vorbei…

– Der erste Peak ist geschafft, man sieht schon den Pico Ruivo, mit 1861 m höchster Punkt der Route, aber der (zweite Peak) ist noch weit entfernt. Luftline 1-2 km, aber es gibt noch einen 6 km Schlenker nach unten ins Zwischental und wieder hoch, soll ja Spaß machen. Landschaftlich ist es ein Traum. Das Teilnehmerfeld hat sich etwas entzerrt und es bleibt ein bisschen Zeit für Fotos. Heidesträucher mit 3-4 Metern Höhe, Wasserfälle, alles dabei. Wieder klettern zwischendurch, zur Sicherheit sind frische Seile und Draht verlegt. Man fühlte sich kaum unsicher, wenn es nach oben ging. An einer Stelle habe ich mal ein paar Sekunden länger nach einem Griff im Fels suchen müssen. Gepusht klettert man fast automatisch berghinauf und denkt nicht lange über den nächsten Griff/Schritt nach. Bergab sieht es da schon anders aus. Volle Konzentration bei jedem Schritt ist gefordert, bestimmt knicke ich ein, zwei Mal leicht um.

Das ist ja wohl der Gipfel.

Nach dem Gipfel folgen kurz gepflasterte Terassenwege, die eine tolle Entspannung für die Füße und Beine sind. Dann fällt es auch schon ein bisschen bergab und jeder Schritt sollte weiterhin überlegt sein. Über 20 km geht es nun vor allem bergab. 20 km ! Es ist alles an Untergrund dabei: Treppen aus Stein, Treppen mit Rundholz, Treppen aus Lehm (tw. Wie es scheint extra für den Lauf präpariert), Felsen, Wurzeln, Moos, Sand, Kies, Geröll. Eigentlich haben nur Schnee und Eis gefehlt. Die Wege sind teilweise sehr schmal und ausgefahrene Stöcke würden hier nur hindern, also weg an den Rucksack damit.

Blick ins Zwischental.

Wir sind wieder unter der Wolkendecke, als wir VP 3 erreichen. Mitten im Wald, angenehm kühl hier. Mystisch. Nebel, es ist relativ dunkel für morgens. Wir ? – Ja mittlerweile hat sich eine Gruppe von Mitläufern ergeben: wir haben uns eigentlich das ganze weitere Rennen wieder gesehen. Mal war einer vor, mal einer hintendran. Das ist gut, weil, wenn man nicht gerade vorausläuft, sich besser an der Richtung des Vordermanns orientieren kann. Außerdem ist es mental angenehmer zu wissen, dass man trotz Renncharakter nicht „alleine“ unterwegs ist. Fast die Hälfte war geschafft. Bis ins Tal war es noch ein gutes Stück und es ging zwischendurch immer mal wieder Abschnitte bergauf, Traillauf eben. Verfluchtes Höhenprofil, diese Steigung war dort gar nicht verzeichnet.

Kurz zur Kennzeichnung: Einzig in den Ortschaften, eben wenn ich oftmals alleine lief, hätte ich mich fast zwei mal verlaufen, im Gelände wäre das kaum passiert. Die wenigen Anwohner, die vor ihren Häuschen saßen riefen einem dann schon zu und zeigten in Laufrichtung. Sowieso waren alle am Straßenrand sehr freundlich und grüßten stets mit „Boa dia“ (Guten Tag), manchen baten sogar Trinkwasser an. Sonst hing gerade im Wald an jedem x-ten Baum ein Signalbanner vom Lauf, sogar mit Reflektoren dran. Sehr gut ! – An den Levadas sah man mal längere Zeit kein Signal, das war dann schon direkt unheimlich und man war froh, wenn man das nächste sah. Im Urwald bzw. Regenwald verlaufen muss nicht sein.

Drunt im Tal: Ja im Tal, da wartete ein Freibad am Meer, aber nicht für uns Läufer. Wie gemein. Es war jetzt madeirisches Wetter, das bedeute, es war sehr heiß um die Mittagszeit. Man lief in Serpentinen direkt an der Klippe entlang nach Sao Jorge hinunter. Nächster Stop nach mittlerweile 35 km. Hier gab´ es dann statt Freibad überraschend ein paar Duschen für die Läufer, geniale Idee!

Und auch hier wurde man bemuttert ohne Ende. Die fleißigen Helferinnen rissen einem die leeren Flaschen schon fast aus der Hand, ein „agua“ reichte schon und man hatte kurz darauf die Flasche voll mit kühlem Wasser wieder in der Hand. Großes Bravo !

Jetzt sollte noch einmal eine Halbmarathon-Strecke folgen. Steil ging es bergauf, dann wieder hinab, wir kannten es schon. Wie während dem gesamten Lauf sah man an den warmen Steinen stets die Eidechsen vor einem im Fels verschwinden, es müssen teilweise Hunderte auf einmal gewesen, sein. Es ging immer mal wieder durch Bananenplantagen der Bauern. Angeleinte (gut!) Hunde und Ziegen am Wegesrand bellten und meckerten uns an.

Freibad. Serpentinen.

Dann kam – ich hatte es irgendwie verdrängt, aber ich hatte ja Bilder vom Vorjahr gesehen – der Flussabschnitt, die River section. Ich schätze mal es waren 300 bis 400 m, auf denen es durch das Wasser (maximal hüfthoch) durch das Wasser ging. Man konnte über die großen Steine springen, irgendwann musste man aber durch das klare, kühle, erfrischende Nass. Die Krampfschwelle sank spürbar, Krämpfe blieben aber doch aus. Die Steine waren aber vor allem unter Wasser sehr glatt. In diesem Abschnitt hatten wir eine Menge Spaß und Erfrischung. Zuschauer riefen uns von einer Brücke zu und zeigten uns den kürzesten Weg durch das Nass.

Bis zum vorletzten VP vergingen noch einige Höhenmeter. In der Ortschaft Ilha konnte man nach ca. 41 km sein aufgegebenes Gepäck plündern, Klamotten wechseln oder eben einfach eine heiße Kürbissuppe genießen, eine Wohltat zum Mittagessen. Hier gab es nochmal einen Equiqment- Check und die Muttis machten den Aufenthalt wieder zu einem „Pitstop“. Kopf unter den Wasserhahn, frische Sonnencreme drauf, guuut. Die ersten Läufer allerdings sollten währenddessen schon im Ziel sein. Mein Begleiter, Portugiese, machte bereits schon zum dritten Mal mit; „final peak“ sagte er. OK, then let´s go!

Kleines deja vu vom Anfang des Rennens: Stufen nach oben, steinig, rutschig, eng – nur war man langsamer als zu Beginn. Von ganz unten kamen auf einmal noch ein, zwei Läufer heran. Eine Dame gab´ besonders Gas: Sie hatte statt Trekking Stöcken Rohrzuckerstangen oder Bambus in Ihren Händen und stützte sich damit ab, sie musste diese von Anfang an gehabt haben, denn man musste mit dem Equiqment vom Beginn finishen. Alles bio! Es waren mittlerweile schon 8-9 Stunden verstrichen.

Langsam ging es dann nach dem letzten Peak entlang der berühmten Levadas entlang. Der Regenwald spuckte uns mitten auf dem Wanderweg aus. „Schau, da kommen die raus und er bricht sich gleich die Haxen“ sagte der Wanderer zu seiner Frau. „Ne ne“ entgegnete ich in zwei Gesichter, die wohl etwas verdutzt aussahen und wohl nicht mit jemanden gerechnet haben, der deutsch spricht. Es vergingen dann einige Kilometer auf der Levadamauer, der Weg war doch sehr eng. Viele Wanderer wurden überholt. Manche waren überrascht, manche standen schon an der Seite, bevor man sie überhaupt sehen konnte um Platz zu machen (nächste Mal Fahrradklingel mitnehmen!). Aber man konnte hier das erste (!) Mal so richtig Laufen ohne groß auf den Untergrund zu achten, welche Erholung, auch mental.

Dann wurden auch die Downhills immer steiler, Waldautobahn und Asphaltstraße ließen sich am Ende kaum vermeiden, wobei es auch immer mal wieder Singletrails zwischendurch gab.

Zwischenfazit: 0,5 % Wasserweg, 2 % Klettern mit Händen, 5 % Teer- oder Forststraße 2,5 % Levada und der Rest Trail! Schöne Trails, an solche denkt man, wenn man Trails meint. Leider zu selten weich und mit Laub, sondern vermehrt steinig oder stufig.

Zurück zum Lauf: Letzter Anstieg im Ort, dann ist man wieder auf dem Weg vom Start. Die ersten Läufer von der Kurzstrecke (20 km) kommen vom duschen zurück und feuern an. Trotz der zu überwindenden Steigung steigt auch das Tempo nochmal an: die Beine brennen dabei nun ein wenig mehr. Noch ein paar Stufen. Geschafft. Wasser, ok danke, her damit. Da ist auch Markus, Glückwünsche. „Hartes Rennen“ meint auch er. Noch ein anderer Deutscher, aber grad keinen Kopf für Race-Talk… (Irgendjemand muss ja die TRW/Saarschleife/MHSH-Supertrail Flyer verteilt haben, welche im Race Office auslagen) – Markus war ca. eine halbe Stunde früher da. Ich brauchte 10:17 Stunden. Ich war super happy, denn einzig das Durchkommen war mein Ziel. Und jetzt: Ultra. Check.

Erstmal raus aus den Schuhen. Barfuß gehen, Lymphzirkulation aktiv runterfahren, auslaufen quasi. Frohe Kunde in die Heimat verkünden. Ankommen. Puh. Pasta.

Start-/Zielbereich in Santana.
Pastaparty. Bier.

 

Kurzes Video von 2017 (via Bruno Santos (youtube))

 

Phase 4: Nach dem Lauf

Die letzten Zeilen hier schreibe ich, nachdem ich in Lissabon meinen Anschlussflug nach Frankfurt verpasst habe. Grund: Beim Flug von Funchal nach Lissabon wurde „vergessen“ die Batterie aufzuladen und so standen wir bereits auf der Startbahn, als beim Check die Lichter dauerhaft ausgingen. Raunen im Flieger, Lichter aus, Statement vom Flugkapitän. Dann wurde der Flieger zurück zum Gate geschleppt, „aufgeladen“ und mit ca. 45 Minuten Verspätung ging es dann los. Zu knapp wurde es in Lissabon, war es eh schon. Warum macht eine Fluglinie sowas, aber im Prinzip ist es wie bei der Bahn.

Unserer Gruppe von 10 Personen wurde dann entweder die Übernachtung und Rückflug am Folgetag angeboten, oder man suchte zusammen nach einer anderen, individuellen Lösung. Bei mir hieß es dann: Über München fliegen und mit dem Zug nach Frankfurt. Die TAP bekommt also bald Post inkl. Zugrechnung von mir. Daher empfehle ich auch Direktflüge, soweit es geht ;).

Tja, was gibt es noch zu berichten ? – Es gab´ noch kostenlose Massagen im Zielbereich, einen Finisher-Hoodie und abends die Siegerehrung. Die habe ich aber nicht mehr verfolgt. Ein Wahnsinn wie der Gewinner aus England die Strecke in knapp 5:45 h machen konnte. Er würdigte die Veranstaltung als „härtestes Rennen“ und lobte die „river section“. Nach dem Duschen ging es wieder per Taxi-Transfer nach Funchal. Im Taxi saß noch mein „Verfolger“ aus Valencia (ES) und ein Londoner, den der Cut-Off leider aus dem Rennen nahm. Wir waren alle froh über das Ende des Laufs und stattdessen waren Städtemarathons oder das anstehende Champions-League Finale war das Thema im Taxi (Lokalmatator C. Ronaldo sollte noch abends ein Tor schießen und das Spiel mit Real gewinnen).

Das Rennen war top organisiert, die Strecke gut ausgeschildert. Alles Weitere wurde bereits erwähnt. Madeira ist und bleibt ein Top Ziel für Naturliebhaber. Es war bestimmt nicht der letzte Skymarathon und bestimmt auch nicht das Letzte Mal auf Madeira. Ich habe noch etwas Honigkuchen, Rum und Madeirawein im Gepäck und bin schon gespannt auf die Fotos und Aftermovie vom Rennen. Adeus Madeira!

Westlich von Funchal.

 


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