Kleiner Kobolt 2017 – 99 km Ultratrail +3361 HM

Sommer 2017:

Irgendwie gebe ich meine Daten auf der Homepage des Kleiner Kobolt ein. Das Jahr lief bisher super, im wahrsten Sinne. Nach einer Verletzungspause im vergangenen Herbst ging es dieses Jahr Schlag auf Schlag. Trailmarathon (Vogesen), Skyrace (Madeira), 70er (Sachsentrail), technischer Alpintrail (Walsertrail), Hometrail (SoNUT), Straßenmarathon (FFM). Nun sollte zum Saisonabschluss noch was „Gescheites“ her. Eine Mischung aus Ehrfurcht und riesiger Vorfreude beschleicht mich beim anmelden zu diesem Einladungslauf. Noch ist man nicht dabei.

Herbst 2017:

Die frohe Kunde dann irgendwann: dabei. – Dabei beim kleinen Kobolt. Es warteten 99 km und zahlreiche Höhenmeter unweit der alten Heimat am Mittelrhein. Von Rengsdorf nach Bonn auf dem Rheinsteig sollte es gehen. Im Übergang zum Winter, Ende November und es sollte durch die Nacht gehen. Als Frostbeule (an den meisten Läufern ist halt nix dran) testete ich also im Vorfeld zahlreiche Shirtkombinationen aus, mit dem Ergebnis, dass es in den meisten Fällen irgendwann nass wurde bzw. blieb. Also öfter umziehen. Sch***-Schweiß. Bei einigen Trainingsläufen reichte dann auch die gewohnte „einfache“ Stirnlampe nicht mehr aus, was Ordentliches sollte her. Auch eine Laufjacke für die kalten Temperaturen wurde gefunden. Noch eine Übersichtskarte gesichert. Dann war auch schon der 25. November. Aus Erkundungsläufen, wie einst geplant, wurde leider vorerst nichts. Typisch. Also sorgfältig packen: Dropbag und wetterfestes, man weiß ja nie… .

 

25.11.2017:

Es ging nach Bonn an den Rhein. Im Prinzip schon die gerenderte Strecke des WIBOLT (Wiesbaden-Bonn) mit dem Auto zurückgelegt. Angekommen gegen 12 Uhr am Bootshaus des hiesigen Kanuclubs in Bonn-Beuel (in der Nähe startet sonst auch der RHEX von Oliver Witzke) sah man schon die ersten Schilder des Kobolt. Also angemeldet, Utensilien für die Nacht bereit gelegt (Schlafsack, Matte, Duschzeug), bekannte Gesichter entdeckt, umgezogen. Es gibt einen Livetracker, Startnummer und die begehrte Kobolttasse, welche jedes Jahr ihre Farbe wechselt. Die Jungs und Mädels auf der langen Strecke sollten bereits seit 11 Uhr unterwegs sein und hatten ab Koblenz noch einen Marathon mehr als wir zu bewältigen. Kurzes Briefing: Die Treibjagd vor der Erpeler Ley (VP 2 ) findet nur tagsüber statt, bis wir da sind sollte es dunkel sein und die Hetz vorbei.

7BD68A56-2AB3-4ADF-81EE-C30B8A467FE3

Gegen 13 Uhr kommt dann der Bus für den Transfer zum Start, ein richtiger Oldtimer. Sogar mit Weihnachtsdekoration. Urig und sympathisch, passt gut zur Veranstaltung, genau wie die zahlreichen Läufer im Bus. Wir tuckern gen Rengsdorf.  Ein paar Vorbereitungen am Equiqment werden noch getroffen, die Nervösität scheint zu steigen; ich vertreibe mir die Zeit mit Blicken aus dem Bus auf die grauen Rheindörfer. Es nieselt. Der Regen der vorangegangenen Woche hatte die Wege schön aufgeweicht. Die Kälte bleibt bei 5-7°C zum Glück aus.

Angekommen in Rengsdorf zieht die Kälte zwischen die Kleidungsstücke-Schichten. Ein paar bekannte Gesichter am Start. Support ist da, super! – Kurze Ansprache, dann folgt um kurz nach 14 Uhr der Startschuss. Kein zurück mehr.

 

Kleiner Kobolt 2017

Es geht recht flott hinab. Zur Wied. Ab nach Leutesdorf, das wäre laut dem Wegemanagement bereits eine Etappe. Wir sollten heute acht davon bewältigen, mit einem Höhenmeter-Finale zum Schluss. Später mehr dazu. Das Feld dünnte sich jetzt bereits aus, die ersten zwei (später Platz 1 und 3) setzten sich bereits hier mit einem Mordstempo ab. Mario aus Mainz, Hanno (Ulm) und Tore (Berlin) und meine Wenigkeit sollten bald eine Gruppe bilden, welche bis zur VP 1 bei 34 km hinter Rheinbrohl zusammen durchlief. Wir passierten also zahlreiche Äcker und Obstwiesen, stets das Rheintal im Blick. Sehr schön anzusehen in der Dämmerung. Bald nach 16:30 sind dann bereits die Stirnlampen nötig. Es sind wirkliche Äcker, welche wir durchlaufen. Der Regen der Vortage hatte hier ganze Arbeit geleistet. Ein starkes Sohlen-Profil machte hier den Unterschied. Nasse Füße gab es sowieso. Habe ich erwähnt, dass ich leider auf Stöcke verzichtet habe ?! – Großer Fehler.

Wir sichten den ersten VP. Licht im dunkeln, was Heißes, Wasser, Fruchtgummi, Waffeln, jeder greift dankbar zu. Ein Dach über dem Kopf, mehr nicht, aber auch nicht weniger. Bisher gab es nach dem anfänglichen Nieselregen ab und zu kurze Schauer, aber nix dramatisches. Teilweise hatten wir auf den Höhen das Gefühl, als wehe eine Art Föhnwind über die Felder.

1771D3A9-6DEA-4357-9C53-45ABD33E9C0BNach kurzem Stopp geht es dann weiter Richtung Leubsdorf/Unkel. Unsere 2.VP sollte sich auf dem Erpeler Lay befinden. Laut Tore mit lauschigen Kaminfeuer, nix wie hin. Mario (später 2.Platz !) war bereits schon wieder unterwegs. Immer mal wieder ging es Richtung Rhein und wieder ab davon in die Seitentäler, stets mit Auf- und Abwärtspassagen. Wildschweingatter gab es zwar zahlreiche, aber gesehen haben wir unterwegs keine. Wahrscheinlich hatte die Jagd vom Tag alle bereits verschreckt. Ein paar scheue Rehe zeigten sich unweit unserer Wege.

Die Orientierung war bis hierhin kein Thema. GPS Uhr und guter Wegmarkierung sei Dank. Teilweise gab es auch Reflektoren in der Nähe der Rheinsteig-Schilder, so dass uns ein Verlaufen erspart blieb. Sechs Augen sehen halt auch mehr als zwei und drei Stirnlampen statt einer machen auch was her. Daher bin ich Hanno und Tore auch megadankbar für Ihre Begleitung. Mario hatten wir wieder eingeholt. Bis wir dann gegen 22 Uhr den VP2 erreichten. WOW! – Lagerfeuer, Dropbag, Kölsch. Hier bleib ich! – Also umgezogen: trockene Socken, Schuhe mit mehr Profil, frisches Shirt, was warmes zwischen die Kiemen. Haribo, Haribo, Haribo. Tore will los. Hanno und ich erstmal noch nicht. Zu verlockend diese Wärme, noch kurz genießen. Dann weiter. Die Verfolgertruppe ist bereits auch eingetroffen, ebenso der späterer Sieger der Kobolt-Strecke.

Die Hälfte geschafft. Frisch motiviert ging es nun weiter Richtung Bad Honnef. In Rhöndorf bei km 77 sollte dann der letzte VP sein. Es sollte noch ein weiter Weg werden bis dahin. Weitere Stunden vergehen. GPS Uhr laden. Bald begegneten wir noch einem Helfer, welcher uns mit zum VP 3 begleitet. Es geht los: Ich muss öfter gehen.

In der VP 3 , einem Schützenhaus gibt es wieder was Warmes. Es gibt Kaffee, war es doch bereits Mitten in der Nacht und das Nachttief und das letzte Viertel mit satt Höhenmeter sollte noch vor uns liegen. Mentale Akkus aufgeladen, weiter geht es.

Die Strecke zum Drachenfels kannte ich bereits rückwärts vom RHEX (2018 Edition folgt; sehr zu empfehlen!). Also hinauf. Die Party auf der Aussichtsplattform konnten wir nur von außen bestaunen; sieht bestimmt gut aus von innen, wenn dann Läufer mit Stirnlampe hereinleuchten. Es war bereits nach Mitternacht. Hier gab es eine Umleitung: Der Eselsweg, ein sehr steiles Stück ist schon länger wegen Steinschlag gesperrt. Nach kurzem Abstecher hoch zur Ruine hatten wir bald den richtigen Weg ausgemacht und begaben uns über die Umleitung (auch Kobolt-Schildern sei Dank) wieder auf den Rheinsteig. Bald sahen wir die ersten des dritten Laufs dieser Veranstaltung, die Teilnehmer des „Auge um Auge Kobolt“ auf der Strecke. Erst deren Lampen und dann immer wieder mal jemanden dahinter. Mehr oder weniger gesprächig: Hatten diese doch nach Ihrem Start um 0 Uhr (Sonntag) noch zahlreiche der 70 km vor sich. Dann kehrte wieder Ruhe auf den Trails ein.

Toitoitoi, die Verlaufer blieben bis zum Schluß aus, wenn wir auch ein paar mal genauer hingucken mussten. Bald war die Bonner Autobahn zu hören. Das Ziel war nah. Die Blicke nach hintern mehrten sich; sollte die Verfolger-Truppe noch aufstoßen?!

Dann war das Rheinufer in Sicht, Zivilisation und wieder mehr Menschen (außer Läufern) welche unterwegs waren. Beim Bootshaus angekommen hieß es erstmal „Schuhe aus“. Angekommen in der Halle dann Applaus, Erleichterung, geschafft.

Glückwünsche wurden entgegengenommen. Wow, gegen 5 Uhr angekommen, und den 5. Platz von Anfang an gehalten. Unbeschreiblich.

BB5718A7-4D56-47E2-AFC1-7D3DC8E06D00

Unbeschreiblich auch die Leistung der Gewinner über unsere und die anderen Strecken, Stunden lagen zwischen uns und denen die noch finishen sollten. Es gab ein erstklassiges Buffet, warme Duschen und die verdiente Mütze Schlaf. Ohropax sei Dank, denn trotz der Müdigkeit wurde man immer wieder wach vom Applaus für die Eintreffenden. Gegen 10 Uhr füllte sich langsam die Halle, die ersten waren bereits abgereist. Es gab schon die Siegerehrung für die Damen, bald auch für die Herren. Merchandise konnte noch erworben werden, es gab Urkunden und die Ergebnisse waren bereits online gestellt.

 

Dem Kobolt-Team und allen Helfern ein riesiges Dankeschön. Ihr habt da ein klasse Event auf die Beine gestellt! Auch allen Mitläufern ein Dankeschön: Es ist und bleibt ein familiärer wunderbarer Sport. Achja, UTMB Punkte gab es auch!

Auch ein dickes Lob und Grüße an Tore und Hanno! – Ohne die zwei und Mario wäre ich vermutlich viel viel später und mies gelaunt ins Ziel gekrochen. @Hanno: Sorry für´s Ohr abkauen. Hehe – ich hoffe ich konnte die die zahlreichen Geschichten zur Strecke gut vermitteln.

Viele läuten nun das verdiente Saionende ein. Bis im nächsten Jahr (vorausgesetzt man wird eingeladen ;D)!

 

 

 

 

 


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.