Der Rheingauer Gebückwanderweg

Hä? „Gebück“ ? – Hatte ich mich verhört: „Gebüsch“ hatte ich zuerst verstanden, und dachte dabei an die lustige Szene aus Monthy Phyton´s „Ritter der Kokosnuss“, in der um ein Gebüsch gehandelt wird.

Aber zur Sache:

Ja, richtig – Gebück heißt es. So sagte es mir Markus Blenke vom Rheingausportshop in Oestrich Winkel bei einem gemeinsamen Lauftreff im vergangenen Winter. Ich hatte das Wegeschild schon öfter mal vor Augen, konnte es aber nicht so richtig zuordnen. Was sollte das sein ? – Zwei ineinander verhakte Geweihe ? – Es sollen geknickte, gebückte Bäume sein, eben ein Gebück – ein natürlicher Wall aus beschnittenen Bäumen, der vor ca. 250 Jahren das Jagdgebiet der Nassauer in Wiesbaden zum Rhein hin abgrenzte. Ein paar solcher Bäume sollte man unterwegs noch sehen.

Im Jahre 2000 wurde der ca. 50 km lange Wanderweg ins Leben gerufen, der möglichst dem Verlauf des natürlichen Walls folgen sollte. Nun 2018 also volljährig. Von Niederwalluf bei Wiesbaden geht es also im Bogen nach Lorch am Rhein. Die Gewässer Walluf und Wisper bilden sozusagen die Begrenzung im West-Ost-Verlauf, im Süden der Rhein bzw. erstmal der Niederwald, siehe auch Niederwalddenkmal.

Es klang so sagenumwoben, was Markus schilderte: Hier Hinterwald, dort Niederwald, der Rheingau in seiner vielleicht etwas verkannten Unscheinbarkeit – zu Unrecht. Mufflons sollte es geben, eine Art Schafe; wild, mystisch und in kleinen Herden im und um das Wispertal unterwegs….

Hier gibt es ordentlich Höhenmeter auf dem Taunuskamm, man denke an die „Kalte Herberge“ (619 m), die „Hallgarter Zange“ und weitere wohlklingende Namen von Erhebungen, versprengten Gipfeln und Hütten. Der Rheingebückwanderweg verlangt dem Läufer/Wanderer etwa 1200 Höhenmeter im Auf- und etwa 1200 hm im Abstieg auf seiner gesamten Länge ab. Ausstiege sind unterwegs etwas schwierig, da der Rhein stets 6-8 km von Weg entfernt liegt. Man kann versuchen sich mit dem lokalen Busnetz Abhilfe zu schaffen. Zumindest am Rhein fährt mindestens stündlich ein Zug in der Verbindung Neuwied-Wiesbaden/Frankfurt.

Im Wispertaunus entstehen gerade über 200 km Premiumwanderwege mit dem Wispertaunussteig und weiteren Wegen, auch Rundwegen. Der ein- oder andere kennt vielleicht den Wispertalsteig rund um Espenschied (ca. 15 km), eine schöne Runde; daneben gibt es auch noch den Wisperwanderweg von Bad Schwalbach nach Lorch (37km).


Spontan los. „Er“ passt gut ins Training irgendwie: Langer Lauf mit einigen Höhenmetern. Dazu noch ein erster milder Tag im März diesen Jahres. Endlich sind wir den Schnee bzw. die Eisschicht los! Matsch und Pfützen, sowie weichen Boden hatte es. Mal sehen was die Winterstürme noch angerichtet hatten. Sturmtief Frederieke ließ einen Gruß da. Ein Lauftreff im Januar musste deswegen z.B. spontan umgeleitet werden.

Nachdem wir zuletzt eine Begehung mit Wegpaten des Rhein-Taunus-Klub in Wiesbaden hatten, wollte ich nun auch mal herausfinden, wie die Beschilderung auf diesem Weg aussah. Der Verein betreut auch diesen Weg (mit). Zur Sicherheit war z.B. die aktuelle Rheingau Karte (gibt´s frisch im Buchhandel) dabei, der GPS Track war ebenfalls auf die Uhr geladen. Sachen bzw. Trailrucksack gepackt und bis Walluf gefahren.

Unterhalb vom Bahnhof in Niederwalluf kann man ideal und kostenfrei direkt am Weg parken. Dort sieht man bereits das Wegeschild Nr. 2, welches auf die lokalen Besonderheiten des Weges aufmerksam macht. Es kommen noch zahlreiche weitere Schilder (insgesamt ca. 20). Korrekterweise wäre der Start am Rheinufer gewesen.

Vorbei am Bahnhof geht es nun erstmal bergauf. Man begleitet zunächst die Walluf flussaufwärts über Martinsthal nach Rauenthal. Rauenthal ist das am höchsten gelegene Weindorf im Rheingau.

Wildsauplatz in Eltville Martinsthal

Nächstes Ziel ist Schlangenbad, ein im Walluftal gelegener Kurort, das seinen Namen dem Vorkommen der Äskulapnatter verdankt, die hier nach wie vor heimisch ist. Bis zu zwei Meter lang werden die ungiftigen Schlangen, die in Deutschland nur noch an ganz wenigen Stellen in freier Wildbahn leben. – Folgt man dem Rheinsteig in Richtung Wiesbaden passiert man kurz vor WI-Frauenstein noch ein paar Täler mit Hinweisschildern auf diese Tiere.

– Hier fließt von Frühling bis Herbst auch einen plätschernden Brunnen zum Auffüllen der Trinkwasser-Vorräte; im Sommer 2017 wurde das Wasser aber erstmal abgestellt –> Link. Grade im Sommer wird es in den Weinbergen talwärts recht heiß.

Schlangenbad im Nebel

 

Sauerwasserpfad

Nun sollte es wieder mal bergauf gehen. Nebel und weicher Nadelwaldboden geleiten uns bis zum Taunuskamm oberhalb von Bärstadt, es sollte bis Hausen vor der Höhe ein schöner, trailiger Weg sein, war es doch vorher leider etwas Asphalt- und Forststraßenlastig.

Man erreicht den großzügigen Wanderparkplatz Förster-Bitter-Eiche. Weiter geht es Richtung Mapper Schanze, man sieht die Reste einer noch einigermaßen erhaltenen Befestigungsanlage am Rheingauer Gebück. Es gibt hier noch einen 3 km Gebück-Rundweg, denn vor und hinter der Ruine finden sich am Waldrand Reste der Erdwälle, die die Schanze umgaben.

Mapper Schanze

 

Weiter geht es durch den Hinterlandswald über die Wegkreuzung der Sieben Wegweiser (hier könnte man zur Einkehr auch bis nach Stephanshausen hinabsteigen) bis zum ehemaligen Forsthaus Weißenthurm am Boxberg (442m). Unterwegs finden sich rheinwärts interessante Felsformationen bzw. sogenannte Boller, also Steinhaufen, welche wohl vulkanischen Ursprungs sein sollen. Diese bestehen untypischerweise nicht aus Quarzit und Schiefer, wie sonst alles im Taunus, sondern aus Basaltgestein.

Vulkangestein neben der geraden Strecke lenkt etwas ab – (der laufende Autor bittet die Unschärfe zu entschuldigen)

Oft sieht man das Ende der Forststraße in gerader Linie am Horizont, es geht grenztypisch geradeaus. Das könnte je nach Form etwas demotivierend wirken. Also ruhig mal den Blick links und rechts schweifen lassen.

Forststraße am Horizont

Richtung Wispertal passiert man ein Wildschutzgatter und ahnt es schon: Hier könnte es tierische Gesellschaft geben. Und tatsächlich: Ich werde nicht enttäuscht, kreuzt doch kurzerhand Rotwild meinen Weg. Wenige Hundert Meter später schrecke ich eine Mufflonherde auf. Kurz ist wieder Ruhe im Rudel, wir beobachten uns gegenseitig, dann läuft wieder jeder seines Weges. Hier ist das Gelände aktuell sehr unwegsam. Ohne Schilder hätte ich hier keinen Weg erkannt, eher ein von Wildschweinen zerwühltes Stück Land ausgemacht.

Wispertalabstieg

 

Mufflons (genau in der Mitte) 😉

Fast schon steil geht es in serpentinenartig ins Wispertal hinab zur Kammerburg. Dann wird die Wisper- bzw. ein Zubach überquert und man folgt der Straße Richtung Wollmerschied ins Werkerbachtal bis zu einem Abknick ins Gelände (Achtung Auto- und vor allem Motorrad-Verkehr!).

Es folgt der zweite von insgesamt drei längeren Aufstiegen, jetzt zur Burg Rheinberg und Resten von Burg Blideneck hinauf. Circa einen Kilometer.

Dann geht es nach Ransel, hinab in den Ort Sauerthal, wieder hinauf (3.Anstieg), an Lorchhausen vorbei und schließlich durch die Lorchhäuser und Lorcher Weinberge gelangt man nun auf leicht fallendem Weg hinunter nach Lorch und zum Parkplatz an der Wispermündung. Kurz  2,5 km vorm Ziel wartet hier noch ein Trinkwasserbrunnen mit dem Hinweis „kein Wasch- und Spülbecken“. Das galt wohl vor allem den potentiellen Gästen eines nahegelegenen Grillplatzes.

Rheinhöhe oberhalb von Lorch/Lorchhausen

 

Lorchhausen und den Rhein im Blick

 

Fazit: Ein längerer Wanderweg mit (leider) auch gefühlten Längen. Forststraßen-Abschnitte kann man sich sparen. Zu empfehlen ist der Aufstieg von Schlangenbad nach Hausen vor d. Höhe. Auch der Abschnitt um die Wisper ist genial und ursprünglich. Vor Lorch kann man mit dem Rheinsteig kombinieren.

Zum Trailrun kann man hier auf einem längeren Lauf zahlreiche Höhenmeter sammeln. Auch kann man unterwegs die Flasche füllen (lassen).

Am Rhein fährt stündlich ein Zug in beide Richtungen, so dass man mit einigen Kilometern auch regelmäßige Ausstiege nutzen könnte um zum Start oder Ziel zu gelangen.

Mir persönlich hat meine GPS-Uhr geholfen, da das ein oder andere Mal doch kein Schild zu sehen war. Sicher ist das auch der höheren Geschwindigkeit geschuldet. Eine Karte ist nicht verkehrt. Zu beachten ist auch, dass es auf halber Strecke ca. einen 3 km langen Rundweg gibt. Am Parkplatz in Schlangenbad gibt es 2 parallel laufende und ausgeschilderte Wege (einer gerade vom Parkplatz hinauf, der andere auf der gegenüberliegenden Seite nimmt noch ein paar Schlenker mit). Sollte man bei etwas kälterer Witterung und früh unterwegs sein, empfiehlt sich warme Kleidung bzw. eine Rettungsdecke, in der Nebensaison öffnen die Weinlokale in Lorch erst nachmittags und der Zug verkehrt auch nur 1 x in der Stunde.

Zur Volljährigkeit empfehlen wir eine Revision der Wanderwege, um von unattraktiven Forst- und Waldautobahnen wegzukommen.

Strava-Aufzeichnung:

https://www.strava.com/activities/1447502089/embed/cec21314afe12347b3c17dfe05d80554fc9aa4bd

GPS-Strecke: siehe oben oder auch hier: –> https://www.ich-geh-wandern.de/download/gpx/38184dec-3b6b-4b97-b800-bd89b4cea81f

Eine detaillierte Wegbeschreibung findet sich hier: http://www.rheingau-taunus.de//index.php?id=544

und natürlich auch unter: http://www.rheingau.de/wanderwege/gebueck

 

 

 

 

 

 

 

 


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