Gardaseetrails Teil 1 – Limone und sein Skyrace

Der Gardasee von Norden betrachtet

Germania im März: immer noch kalt, nass, grau und maximal zweistellige Temperaturen. Brexit/noBrexit beherrscht die Medien. Verkehrsminister Scheuers Fahrradhelmkampagne ist ein Flop.

Bella Italia: Sonne, Temperaturen bereits über 20°C – Dolce Vita am Gardasee. Espressi. Olivenhaine. Peter Fox hätte hier sicher sein Haus am See. – Also auffi:

Dann für das Ostufer entschieden, Rennrad und Trailschuhe eingepackt und los. Vorbereitungen waren recht hilfreich, mussten doch unterwegs einige Mautstellen passiert werden. So war wenigstens einigermaßen flüssiges Fahren möglich. Wer kann sollte natürlich die Wochenenden in beide Richtungen meiden…

Shopping-List:

  1. Vignette Österreich
  2. Brenner-Autobahn
  3. Italiens Autobahnen

Alternativ könnte man auch fliegen (Bologna) oder den Fernbus/Bahn (via Bozen) nehmen. Möglichkeiten gibt es genug. – Auch bei BlaBlaCar finden sich oft Mitfahrer, vor allem von und nach Innsbruck. Zwischenstop einbauen! Auf dem Weg die Dolomiten passiert, Blick auf die Drei Zinnen vom Auto aus. Irgendwann: Wasser, Riva am Nordufer ist in Sicht.

Wer Lust und Zeit hat kann in Bozen noch Salewa-Dynafit besuchen oder etwas weiter südlich auch La Sportiva. In Brescia, im Süden des Sees finden sich zahlreiche Hersteller von Kaffee Siebträger-Maschinen und Kaffeeröster.

Limone (66 m) am Ostufer. Hat mit Limonen eigentlich gar nichts (mehr) zu tun. Das Wort stammt von Limes, der einstigen Grenze von Italien zu Österreich bzw. heute Trentin/Südtirol zur Lombardei. Trotzdem wird hier das gelbe Zeug vollends vermarktet.

Uferpromenade von Limone
Uferpromenade Limone

Badestrand Limone am Abend
Badestrand Limone am Abend

Der Ort ist überschaubar, Pizzerien, Cafés, Fährverkehr, Hotels mit Pool. Auch Busreisen „stranden“ hier, das sollte aber nicht abschrecken. Gerade zur Nebensaison ist es trotzdem relativ ruhig. Das Ufer ist nahezu besucherfrei. Viele Lokalitäten putzen sich heraus, viele noch im Winterschlaf („geschlossen wegen Ferien“).

RAD: Auf der Uferstraße kaum Verkehr. Wer es wagt das Ostufer mit seinen Tunneln auf dem Rad zu befahren, sollte wenigstens Licht am Rad haben und muss (!) für die Tunnel eine reflektierende Weste oder Reflektoren am Oberkörper tragen. Besser nach Norden fahren und dann auf der Westseite früh morgens den Nordwind nach Süden mitnehmen. Später mit der Fähre (Fahrplan/ Fahrradmitnahme beachten (!)) zurück. Ob nun von Benaco oder Maderno. Wer kann oder mag darf auch die ca. 75 Tunnel am Ostufer befahren. Da lohnt es allerdings nicht die Sicherheitsweste an- oder auszuziehen.

LAUFEN: Wer mag kann dort zur Einstimmung am flachen Ufer ein bisschen laufen gehen, der Ort ist stolz auf seinen neuen Ufer-Radweg, teil eines größeren Projektes „Garda by bike“ welches einmal 140 km umfassen soll. Hier kann man seine 5-10 km machen.

TRAIL: Hier wird es schnell „ernst“. Nicht umsonst wird hier im Oktober das Limone-Skyrace ausgetragen. Hinter dem Ort geht es schnell steil auf die westlichen Gardaseeberge hinauf auf 1100m bis 1600m. Sogar die Strecke ist ausgeschildert (C31 Skyrace). Die Strecke wird hier auch im folgenden näher beschrieben ( die Zeitangaben sind sportliche/Trailrun). Start ist immer am Infopoint „lungolago“ im Ort am Hafen.

(Neuer) Uferweg Limone
(Neuer) Uferweg Limone

 

Wer die Uhr gegen den Uhrzeigersinn angeht, ist gut beraten. 2 km geht es am Ufer (66 m üNN) auf den neuen Uferweg (s.o.). Bald überquert man die Uferstraße und es geht nun erstmal 4 km bergauf auf ca. 1100 m. Immer wieder ist die Strecke beschildert, allerdings gibt es erstmal nur eine Richtung: nach oben.

 

 

 

Aufstieg über Limone
Aufstieg über Limone

 

Hoch hinaus - mit Stöcken
Hoch hinaus – mit Stöcken

Zwischendurch sieht man dann wieviel Höhenmeter man bereits zurückgelegt hat. Die Baustelle des neuen Hotels an der Uferstraße wird immer kleiner und kleiner. Im Sommer brennt einem hier schon morgens die Sonne auf den Pelz. Unterwegs werden die einzelnen Bänke ignoriert. Pause wird „oben“ gemacht. Zwischen den kahlen Felsen steht man plötzlich im Wald und es ist schön schattig.

Wir erreichen den Monte Palaer auf dessen Rücken die Strecke nun nach Westen führt. Es steht ein Schild vom Bike-Alpen Transalp am Wegesrand. Hier ist auch eine erste Hütte, welche saisonal noch geschlossen hat. Es geht nun wieder ein paar Meter hinab. Noch liegt etwas Schnee. Sowohl Ski-, als auch Fußspuren sind sichtbar.

Die Hütte unterhalb der Cima di Mughera wird erreicht. Auch hier ist noch geschlossen. Ein MTB Trail führt nun talwärts. Wir entscheiden uns die Schleife/Abstieg ins Val de Salumi (Salumital) auszulassen, welche hier auch wieder vorbeiführen würde.

Schneefreie Lage - Hütte (noch) geschlossen
Schneefreie Lage – Hütte (noch) geschlossen

Nordseite mit Schneeresten
Nordseite mit Schneeresten

Wir folgen dem „Sentiero Antonioli“ und nach dem Punta Mois beginnen wir den Aufstieg auf den Monte Carone (1621m) mit Soldatenkreuz und italienischer Flagge bzw. was davon noch übrig ist.

Der Abstieg auf der Westseite über den „Sentiero Tosi“ erfordert etwas Schwindelfreiheit und Trittsicherheit. Hier befinden sich gesicherte Passagen mit Stufen, Drahtseilen und Seilgeländer; diese sind auch nötig – ist der Abstieg doch etwas steiler.

Abstieg - steil aber gesichert
Abstieg – steil aber gesichert

In der Ferne sehen wir das Refugio Basta B. Segala am Gipfelfuß. Es ist eine offene Selbstversorgerhütte, welche das ganze Jahr geöffnet ist und ist mit Lager und Getränkekasse ausgestattet.

Bisher haben wir also eine landschaftlich sehr abwechslungsreiche Runde erlebt, was den Reiz dieser Tour/Rennens ausmacht. Je nach Jahreszeit kommt man also auf seine Kosten.

Rückblick auf den Gipfel
Rückblick auf den Gipfel

Die Hütte passieren wir auf der Rennstrecke nicht. Nach dem Bocca dei Fortini schlagen wir den Rückweg ein; mehr als die Hälfte der Strecke ist nun absolviert. Vorher gilt es noch ein paar Auf- und Abstiege zu bewältigen (Monte Traversole, Corna Vecchia).

Kurz vor dem Corno Nero beginnt der etwa 8km lange Downhill (1300m) in Richtung Limone. Dort findet sich auch etwas abseits des Weges eine willkommene Quelle. Hier kann man nochmal seine Wasservorräte auffüllen. Dafür muss man etwa 100m parallel zurückgehen. Der Einstieg ist ausgeschildert.

Wegweiser sprudelnde Quelle
Wegweiser sprudelnde Quelle

Die Wasserration muss man sich verdienen
Die Wasserration muss man sich verdienen

Sprudelnde Quelle
Sprudelnde Quelle

Bei etwa 900 Höhenmetern hat man den Monte Areals erreicht. Die Rennstrecke folgt NICHT dem 112er Weg ! Wer will kann auch vorher schon über den 114er Weg oder den 102er Weg absteigen. Allerdings geht es auch hier nicht weniger steil zu und man erreicht relativ früh den Asphalt von Limone. Weiter in Richtung See wartet dann ein berühmter Aussichtspunkt. Danach geht es in wilden Serpentinen in Richtung Ortschaft. Geschafft. Gönn´dir einen Espresso an der Bar neben der Tankstelle an der Hauptstraße. (Vorrei una tazza di cafe) 

Zur Mitnahme wird empfohlen:

  • reichlich Flüssigkeit; erst an der Selbstversorgerhütte, (ca. 1/2 der Strecke) bzw. an der versteckten Quelle (letztes 1/3) kann man nachfüllen
  • Trail-Stöcke sind nicht verkehrt bei diesen Höhenmetern, im Abstieg können diese etwas stören, da die Wege doch tw. ausgewaschen und nicht sehr breit sind
  • Erste Hilfe Set
  • Verpflegung für längere Strecken
  • Wechselkleidung für die erste Schicht und auf jeden Fall Windjacke einpacken
  • auch Mitte März kann dort noch Schnee liegen, Wetterbericht bzw. Webcam vom Ostufer mit Blick auf die Berge im Westen anschauen

 

Wer länger vor Ort ist; hier noch die Alternativrouten:

  • Alternative – C 35 Grette della Mughera 12 km / 1235 hm / 3:30 h
  • Alternative – C 34 Carone 14 km / 1235 hm / 2:30 h
  • Alternative – C 33 Vecchia 17,8 km / 1611 hm / 3:30 h
  • Alternative – C32 Limone Belverde 20,2 km / 1725 hm / 4:15 h
  • Alternative – B22 Dalco der Hausberg von Limone 9,2 km / 892 m/ 1:45 h
  • Alternative – A12 Percorso Natura 5,6 km /267 hm / 0:45h – 2,5 h (Familie)
  • Alternative – Spaziergang entlang des „San Giovanni“ Baches – sehr schön angelegter Weg entlang eines Bachbettes vom oberen Teil des Ortes bis zur Mündung in den See

Die Routen finden sich auch im örtlichen Wanderführer „Trekking Limone Sul Garda“ welcher die beschilderten Routen näher beschreibt. Dieser liegt in den Hotels bzw. an der Touristeninformation aus.

Hilfreich ist auch der Rother-Reiseführer „Gardaseeberge“ welcher neben zahlreichen Wanderinfos auch GPS Tracks liefert.

Anmerkung: Die Links sind sorgsam vom Autor gepickt und ohne jegliches Sponsoring (non affiliate Links).

 


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